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Pokerschule für Einsteiger

4. Die Anfangskarten

Jede Kombination von Anfangskarten verfügt über ein bestimmtes Gewinnpotential, das sich sowohl gegen bestimmte als auch gegen zufällig verteilte gegnerische Karten berechnen lässt. Man kann diese somit in Favoriten und Außenseiter teilen. Platziert man beim Pferderennen einen Einsatz auf einen Außenseiter, zahlt der Buchmacher einen entsprechend höheren Kurs. Nicht so am Pokertisch. Investiert man seinen Einsatz auf das absolut schlechteste Blatt, 7 - 2 offsuit, dann bekommt man keine besseren Odds als mit A-A. Von gelegentlichen Bluffs - zum richtigen Zeitpunkt - abgesehen, investieren wir somit unsere Einsätze auf Anfangskarten mit entsprechendem Gewinn- bzw. Verbesserungspotential.

Man sollte sich dabei nicht strikt an Tabellen halten, weil man dadurch seinen aufmerksamen Gegnern wertvolle Informationen überlässt. Auch berücksichtigen die Tabellen meist nicht die sehr aktiv gespielten Tische, an denen Karten mit Verbesserungspotential, z. B. 10-9 offsuit, auch in früher Position einen Einsatz rechtfertigen können, weil davon ausgegangen werden kann, dass sich fünf, sechs oder mehr Caller finden.

Der klassische Ausspruch, dass wir an zurückhaltend gespielten Tischen aktiver werden (und gelegentlich die Blinds und kleine Pots stehlen) und an Tischen mit viel Beteiligung passiv, trifft nicht unbedingt auf die Auswahl der Anfangskarten zu. Connectors (z. B. 8-7) und One-Gappers (z. B. 8 - 6), auch wenn nicht in der gleichen Farbe, werden bei zumindest fünf Callern profitabel. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass am Flop keine weiteren Einsätze verschwendet werden, wenn dieser nicht wirklich günstig ausfällt, was nur in einem von fünf bis acht Fällen gegeben ist.

Man sollte also unbedingt die Beteiligung der Gegner beachten.

Wie oft passen alle Spieler nach einem einzigen Raise?
Wie oft sehen mehr als drei Spieler den Pot?
Wie viele Spieler callen vor dem Flop mit absolut jedem Blatt?
Wie groß ist die Bereitschaft zum Call am Flop (was zum Anwachsen des Potvolumens führt)?

Auch wenn unsere Gegner es häufig tun, hüten wir uns davor, Asse oder gar Könige mit niedrigem Kicker zu spielen. Dass zu A-6 ein Flop von 6-6-x fällt, passiert bei weitem zu selten. Nur jeder sechste Flop beschert uns ein Ass. Und was dann? Callen wir bis zum Ende, um von A-J geschlagen zu werden?
Spielen wir 9-7, dann wissen wir zu hoher Wahrscheinlichkeit, ob es sich lohnt, am Flop weiter zu spielen (z. B. 2-3-9 oder 10-8-5). Mit A-6 warten wir zwar auf ein Ass, wissen im positiven Fall aber noch immer nicht, ob unser Kicker ausreicht.

Mit J-4 und ähnlichem könnte sich am extrem passiven Tisch gelegentlich ein Bluff lohnen. An Tischen, in denen fast jede Partie in einem Showdown endet, ist jeder Einsatz darauf reine Geldverschwendung.

Fassen wir abschließend zusammen:

An sehr trockenen (tighten) Tischen konzentrieren wir uns auf hohe Kartenwerte (A-K, K-Q suited und ähnliches) und auf Pocket-Paare. Suited Connectors und One-Gappers lassen sich gelegentlich zur Verwirrung der Gegner einsetzen bzw. um die Blinds und kleine Pots zu stehlen.

An zwar aktiv aber doch vernünftig gespielten Tischen reduzieren wir Bluffs und Spekulationen. Die Höhe der Pots, die wir mit unseren legitimen Gewinnkarten kassieren, kompensiert uns dafür.

An überaus aktiven Tischen mit regelmäßig mehr als fünf Beteiligten vor dem Flop und 90% Showdowns, spielen wir zusätzlich jene Karten mit gutem Potential zur Straße, verabschieden uns in jedem Fall aber am Flop, wenn dieser für uns nicht wirklich günstig ausfällt. Sei bitte sehr vorsichtig mit gleichfarbigen Karten ohne Straßenpotential. Nur jeder achte Flop bringt zumindest zwei in der Farbe passende Karten. Ist dies nicht der Fall und Du bist mit Q-5 und einem Flop von K-Q-6 konfrontiert, könnte es leicht passieren, dass Du viele weitere Einsätze verschwendest, obwohl Du schon lange geschlagen bist.

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