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Pokerschule
für Einsteiger
2.
Bankrollmanagement
Unter
Reitern erzählt man, dass man sieben Mal vom Pferd gefallen
sein muss, um ein guter Reiter zu sein. Nun, unter Pokerspielern,
würde ich sagen, muss man mehrmals, wenn nicht sieben Mal,
bankrott gemacht haben, um ein guter Pokerspieler zu sein!
Warum?
Das Einteilen des Spielbudgets, der Bankroll, ist nicht minder wichtig
als das gute Spiel selbst. Und am besten lernt man aus Erfahrung!
Stellt
Euch vor, Ihr kriegt beim Roulette für jeden Dollar, den Ihr
einzeln auf eine Farbe setzt, langfristig $ 1,10 als Gewinn ausbezahlt.
Ihr hättet damit eine absolut sichere Einnahmequelle. Nun seid
Ihr von diesem Vorteil, von diesem Geschenk, so begeistert, dass
Ihr in jedem Spiel Euer gesamtes Kapital auf rot setzt. Ihr werdet
einige Male gewinnen, doch irgendwann kommt schwarz mit Sicherheit!
Wo ist Euer Vorteil geblieben?
Der
Teufel schläft nicht; und schon gar nicht, wenn wir Poker spielen!
Wir hatten Auslagen, wir waren auf Urlaub, wir wollten und mussten
einmal richtig ausspannen. Unser Kapital hat sich beträchtlich
verringert. Jetzt geht´s weiter an die Arbeit; und all die
Kosten der vorangegangenen Wochen sollen so rasch als möglich
eingespielt sein. Wollen wir Monate verbringen, um dort anzugelangen,
wo wir zuvor schon waren? Natürlich wissen wir, dass wir nicht
mehr als 10% - Mike Caro empfiehlt 15% - unseres Kapitals an einem
Abend riskieren sollen! Gut, wir wechseln 10%! Dass wir noch zweimal
so viel in der Brieftasche haben, bedeutet noch lange nicht, dass
wir es auch benötigen. Wir wollen nur das Gefühl der Sicherheit!
Und
der Stack wird kleiner! Und der Griff in die Tasche zum Nachwechseln
geschieht nur aus Sicherheitsgründen! Und der zweite Griff
in die Tasche geschieht aus Verzweiflung. Und am nächsten Tag
müssen wir nicht nur die privaten Kosten aufholen, sondern
auch die Verluste vom Vortag! Auch der beste Pokerspieler der Welt
kann nicht jeden Tag gewinnen!
Nein,
natürlich kann er nicht jeden Tag gewinnen. Aber er kann mehrere
Tage hintereinander verlieren! Ich hoffe, Ihr versteht was ich meine!
Geduld!
Geduld! Geduld! Nicht nur am Tisch selbst. Auch in unserer Gewinnerwartung.
Wenn es zwei Monate dauern sollte, bis wir den Betrag, den wir anstreben,
gewinnen, dann dauert es eben zwei Monate. Sind es zwei Wochen weniger,
dann können wir uns freuen. Wollen wir das ganze Unternehmen
auf eine einzige Woche reduzieren, dann spielen wir russisches Roulette.
Ein
Freund von mir hat kürzlich beschlossen, seine Künste
online zu probieren. Er begann mit exakt $ 300 und spielte anfangs
Hold´em Limit $ 1/2. Wenige Tage später hatte er $ 500.
Er wechselte auf Tische $ 2/4. Sein Tagesverdienst war knapp $ 100.
(Ich wusste gar nicht, dass er so gut spielt!) Nach einer Woche
hatte er $ 1.100. Plötzlich begann er, sich nach Details der
Auszahlung vom Internetkonto zu erkundigen. Gegen seine Erwartungen,
wurden die anfänglichen $ 300 zu richtigem Geld. Und vorbei
war´s mit der Geduld! Er wanderte auf Tische mit Limit $ 5/10
und zwei Tage später war er pleite! (Somit fehlen noch
sechs Pleiten und er ist ein Profi!!!)
Wenn
wir an Turnieren teilnehmen, dann müssen wir um so vorsichtiger
sein! Ist die rein mathematische Wahrscheinlichkeit, ob wir an einem
Abend am regulären Tisch gewinnen oder verlieren, 50 zu 50,
so kommt es im Turnier auf die Zahl der Teilnehmer an. Sind es 100,
dann ist die Wahrscheinlichkeit, wiederum mathematisch betrachtet,
am Final Table zu sitzen, bloß 10% - und mit mehr Spielern
wird dieser Prozentsatz wiederum entsprechend geringer.
Spielen
wir besser als der Durchschnitt was hoffentlich auch der
Fall ist ist das noch lange kein Anlass zum Übermut!
Sitzen wir in 100 Turnieren auch zwanzig Mal am Finaltisch, dann
kann es viele Turniere dauern, bis wir zum ersten Mal dort angelangt
sind. In der Zwischenzeit zahlen wir Nenngebühren und Nenngebühren
und Nenngebühren!
Wie
viele Leute sind es wohl, die sich mit den allerletzten $ 10.000
in die WSOP einkaufen, von den Millionen träumen und
im Anschluss einen Job suchen?
Um
solche Richtlinien zu berücksichtigen, braucht Ihr kein Profi
zu sein. Auch als gewinnorientierter Gelegenheitsspieler, möchtet
Ihr nicht immer wieder aufs Bankkonto zurückgreifen, weil Ihr
hin und wieder übermütig geworden seid.
Als
Faustregel möchten wir Euch folgendes mit auf den Weg geben:
Bankrollmanagement
für Limit Texas Holdem
Für
Limit-Cash-Tische sollte man 300 Big-Blinds des gewünschten
Limits in der "Kriegskasse" haben. Als Beispiel: mit $30
Startkapital kann man sich an einen $0.05/0.10 Limit Tisch setzen.
Will man ein Limit nach oben klettern (also $0.10/0.20) sollte man
die $30 im kleineren Limit verdoppeln, bevor man "aufsteigt".
Man erspielt sich die Minimum-Bankroll für das jeweilige Limit
also in der Stufe darunter.
Nun
kann es aber passieren, dass man einen sogenannten Downswing erlebt,
der auch eine längere Zeit andauern kann. Um jetzt nicht auf
dem aktuellen Level pleite zu gehen, ist ein Abstieg in das jeweils
niedrigere Limit unumgänglich. Als Richtlinie sollte man sich
die 200 Big-Blinds-Grenze im aktuellen Limit setzen.
In
unserem Beispiel wären das also $40 auf Limit $0.10/0.20. Damit
gehts dann zurück zu $0.05/0.10, wo man jetzt 400 BB´s
zur Verfügung hat und sich wieder auf die nötigen 600
BB´s zum erneuten Aufstieg hocharbeitet.
Zugegeben,
kein "schnelles Geld" was hier verdient wird, aber eine
sichere Basis um den Bankrott zu vermeiden und bei entsprechendem
Spielkönnen langfristig eine erstaunliche Bankroll sein eigen
zu nennen.
Bankrollmanagement
für No Limit Texas Holdem
Ein
bißchen anders sieht es aus, wenn man sich an einen No Limit
Tisch setzen möchte. Hier gilt als Faustregel 25 - 30 Table-Buy-Ins
für das jeweilige Limit zur Verfügung zu haben. In der
Regel ist das maximale Table-Buy-In, also das Geld was man höchstens
mit an den Tisch bringen darf, bei 100 Big Blinds, was im Fall von
$0.05/0.10 also $10 entspricht. Für dieses Level, auch NL10
genannt, sind somit mindestens $250 (besser $300) von Nöten
um sich ersteinmal sorgenfrei darin bewegen zu können.
Für
einen Aufstieg in die nächsthöhere Kategorie (NL20 oder
NL25, je nach Pokerraum) verhält es sich genauso wie beim Spiel
an Limit Tischen. Bevor nicht die nötige Bankroll zusammen
gesammelt ist, sollte man tunlichst vermeiden, einen Ausflug dorthin
zu unternehmen. Ebenso, wie man auf das niedrigere Limit zurückgeht,
wenn ein Downswing dieses nötig macht.
Bankrollmanagement
für Sit & Go (SnG), bzw. Multi-Table Turniere (MTT)
Auch
bei Turnieren gilt die Faustregel, minimum 25 - 30 Buy-Ins zur Verfügung
zu haben. Wobei hier zu beachten ist, dass zum eingentlichen Buy-In,
noch eine Gebühr hinzukommt. Hat man also $30 Startkapital
sind Turniere mit $1 + Gebühr durchaus spielbar. Auf- und Abstieg
in den Buy-Ins ist analog zum Cash-Game.
Fazit:
Wie
Ihr seht, ist Bankrollmanagement, neben einem soliden Spiel, absolut
unabdingbar, auf dem Weg zum erfolgreichen Pokerspieler. Hier sind
Selbstdisziplin und Geduld gefragt und wir hoffen, dass Euch möglichst
viele der oben beschriebenen Bankrotts erspart bleiben.
Mit
dem nötigen Geschick, Spielkönnen, Geduld und der Fähigkeit,
Niederlagen zu verdauen, kann auch aus wenig Startkapital ein kleines,
mittleres oder sogar großes Vermögen werden. Nur eben
nicht bis nächste Woche. Das kann Jahre dauern.
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