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Bluff
am Limit Tisch
by al
Im
5-Card-Drawpoker, der Wildwestvariante, ist Bluffen eine unumgängliche
Strategie. Anders, in Texas Hold'em! Dieses Spiel ist transparent!
Das wichtigste ist hier das Kalkulieren von Wahrscheinlichkeiten,
beginnend mit den Anfangskarten. Insbesondere, an limitierten Tischen,
ist die Einsatzhöhe nicht abschreckend. Ein Bluff ergibt nur
dann Sinn, wenn er sich in die Gesamtstrategie harmonisch einfügen
lässt.
Eine
Warnung an den Leser: Wenn Ihr mit dem Spiel nicht wirklich vertraut
seit, wenn Ihr nicht mit diesem herrlichen Gefühl der Überlegenheit
am Tisch sitzt, dann lasst Euch so wenig wie möglich, wenn
überhaupt, auf Bluffs ein. Insbesondere, wenn Ihr auf Tischen
mit niedrigem Limit spielt, deren Dynamik meist locker und aggressiv
ist, verschwendet nicht Euren Stack für Experimente. Spielt
Eure Anfangskarten korrekt, berechnet die Outs und die Odds, und
seid dabei konsequent, dann zählt Ihr ohnehin bereits zu den
Gewinnern. Läuft es in einer Sitzung schlecht, Ihr werdet mehrmals
geschlagen, dann helfen Euch Bluffs noch weniger.
Und
nun gebe ich Euch ein Beispiel eines Bluffs, der funktioniert hat.
Trotzdem, findet Ihr Euch selbst in einer ähnlichen Situation,
bedenket vorsichtig alle Details. Allen voran stellt sich die Frage:
fürchtet man Euch am Tisch?
Also,
ich saß an einem Internettisch, Hold´em, Limit, $ 10/20.
Die Dynamik war ziemlich aktiv, meist gab es zwischen drei und fünf
Callern. Durch einige gute Karten, extrem aggressiv gespielt, hatte
ich mir entsprechenden Respekt verschafft.
Mit
9 3, verschiedener Farbe, saß ich am Dealerbutton.
Alle passten bis zu mir. Ich unternahm einen Versuch, die Blinds
zu stehlen, und erhöhte. Small Blind ging mit. Big Blind erhöhte
wieder!
Die
Frage war nun: Hatte er das gute Blatt oder verdächtigte er
mich des Stehlens? Small Blind ging sehr oft vor dem Flop mit, auf
guten Kauf hoffend, um dann am Flop zu passen. Seine Aktion war
somit nicht abschreckend. Ich musste beide Möglichkeiten ins
Kalkül ziehen. Mit einer nochmaligen Erhöhung, hätte
ich den Verdacht des Stehlens erhärtet. Nur A A oder
K K würde ein Wiedererhöhen in solcher Situation
rechtfertigen. Mit A und hohem Kicker, auch einfarbig, ist es eher
ratsam, den Flop zu sehen. Passen wäre in dieser Situation
nicht falsch gewesen. Ich zog es aber vor, mitzugehen!
Der
Flop: K K 7 (Regenbogen)
Small
Blind checkte. Big Blind brachte einen Einsatz!
Die
offene Frage drehte sich natürlich um den König. Hatte
er ihn? Konnte ich ihn glauben machen, dass ich ihn hatte? Big Blind
war ein routinierter Spieler. Solchen ist durch Erfahrung bekannt,
dass extrem langes Warten vor dem Platzieren eines Einsatzes oder
einer Erhöhung, meist auf gute Karten schließen lässt.
(Auch hier ist Vorsicht geboten, denn es kann sich zur Täuschung
nutzen lassen wie im gegebenen Fall!)
Also
wartete ich, nicht ganz bis zur letzten Warnung des Computers, und
erhöhte! Ein riskanter Versuch, den ich nur deswegen wagte,
weil ich zuvor niemals eines Bluffs überführt worden bin.
Ich hatte meine Glaubwürdigkeit noch nicht verloren! Merken
Euch bitte: das ist Grundvoraussetzung!
Small
Blind passte und Big Blind ging mit!
Zwar
konnte er einen König mit niedrigem Kicker in der Hand halten,
doch reduzierte sich die Wahrscheinlichkeit auf einen König
deswegen enorm, weil er ansonsten vermutlich wieder erhöht
hätte.
Der
Turn brachte eine 5 und er checkte! Im Pot lagen $ 130! Ich unternahm
einen letzten Versuch und brachte den Einsatz von $ 20. Auch dieses
Mal, nach längerem Warten!
Auch
mein Gegner nahm sich Zeit. Ich war darauf vorbereitet, mich, im
Falle einer Wiedererhöhung, zu verabschieden. Die Sekunden
verstrichen! Je länger es dauerte, desto mehr kam ich zur Überzeugung,
dass ihn sein König anlächelte; dass er in der Vorrunde
aus strategischen Gründen agiert, und deswegen nicht wieder
erhöht, hatte.
Am
Bildschirm erschien das Zauberwort: Fold!
Wenn
immer wir einen Bluff versuchen, müssen wir darauf vorbereitet
sein, dass der Gegner über gute Karten verfügt. Dann haben
wir natürlich absolut keine Chance! Im beschriebenen Fall,
verwies das Unterlassen einer zweiten Erhöhung am Flop darauf,
dass er mit diesem nicht wirklich zufrieden war. Ich hingegen
hatte, durch den Cold Call vor dem Flop, meine Glaubwürdigkeit
unterstrichen. Jemand, der die Blinds stehlen will, passt in solchem
Fall oder erhöht wieder.
Wäre
Small Blind im Pot geblieben, hätte die Situation natürlich
wiederum völlig anders ausgesehen. Wichtig ist in jedem Fall,
dass die eigene Aktion, vor dem Flop beginnend, zu einem harmonischen
Bild werden muss; einem Bild, dass den Gegner das Fürchten
lehrt!
Blufft
selten! Blufft, wenn Ihr am Gewinnen seid! Und baut Euren Bluff
strategisch auf! Werdet Ihr eines Bluffs überführt, müsst
Eure Karten herzeigen, dann steigen Eure guten Karten im Wert, jeder
weitere Bluff wird aber auf lange Zeit hin umso gefährlicher!
Und
wenn Ihr Euch bei Eurer Aktion nicht wirklich wohl fühlt, wenn
Ihr Anzeichen leichter Nervosität verspürt, auch wenn
diese im Internet nicht sichtbar sind, übt Euch besser in Geduld
und wartet auf Euer gutes Blatt. Früher oder später, werdet
Ihr es bekommen!
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